Trainer Henk Grewe, Besitzer Eckhard Sauren und dessen Privat – Jockey Thore Hammer-Hansen, waren letzte Saison hierzulande das Maß der Dinge. Ein echtes Trio Infernale, von denen alle Drei letztlich in ihren Sparten auch zu verdienten Champions avancierten.
Für Eckhard Sauren war es nach 2024 das zweite Besitzer – Championat in Folge. Wobei jeweils auch ein Vierbeiner seine blau – roten Farben besonders erfolgreich über nationale wie internationale Hippodrome trug. 2024 glänzte der mehrfach in Grupperennen und dabei vorallem auf allerhöchstem Niveau im Großen Preis von Bayern erfolgreiche Assistent. Heute Deckhengst im nahe Köln in Rath – Heumar beheimateten Traditions – Gestüt Röttgen und unlängst erstmals zu Vaterehren kam. 2025 imponierte Flatten the Curve als Extremsteher, Seriensieger und Weltenbummler. Auf den berühmten Kentucky Downs gewann er im besten Handgalopp das hochdotierte Bowling Green Gold Cup Invitational, sorgte mit seinem Auftritt im Melbourne Cup für weitere internationale Aufmerksamkeit und letztlich auch noch zum gewinnreichsten in Deutschland trainierten Vollblüter aufstieg.
Neben diesem Klassepferd, das nach einer längeren Erholungspause weiterhin bei Henk Grewe im Training ist und erneut Richtung Melbourne – Cup vorbereitet wird, könnte in diesem Jahr mit LOMMI auch der Stern eines weiteren Vierbeiners aus seinem kopfstarken Lot am Turfhimmel aufgehen.
Sein Weg begann 2024 auf der Jährlingsauktion in Deauville, wo der Churchill-Sohn für 78.000 Euro in jetzigen Besitz gelangte. Über seine listenplatzierte Mutter La Sabera vertritt er die erfolgreiche Familie von Laguna Beach und vorallem der Klassestute Lancade, Siegerin in den German 1.000 Guineas 2020. Gleich bei seinem Debüt in der hochdotierten „Arqana Series des Poulains“ Mitte August zeigte er als Dritter eine bärenstarke Leistung. Nur um zwei Längen geschlagen, wäre ohne eine Behinderung im Einlauf wohl noch mehr möglich gewesen. Auch bei seinem zweiten Auftritt in Lyon kämpfte er tapfer und musste sich nur dem hoch eingeschätzten Aga-Khan-Hengst Mirik knapp geschlagen geben. Der Aufwärtstrend setzte sich im renommierten Preis des Winterfavoriten fort, wo er nur dem Jahrgangsbesten Gostam den Vortritt lassen musste. Endgültig in aller Munde ist Lommi jedoch nach seinem überlegenen Erfolg im Krefelder Herzog von Ratibor-Rennen (Gruppe III). Mitte November rechtfertigte er dort seine Favoritenrolle von 2,3:1 eindrucksvoll und untermauerte seine Ambitionen für die klassische Saison.
Er ist zudem ein Pferd mit Kult-Potenzial, denn seinen ungewöhnlichen, aber überaus markanten Namen verdankt der Hengst einer gastronomischen Institution der Domstadt. Pate stand der 2005 verstorbene Kultwirt Hans Lommerzheim und dessen legendäres, von allen liebevoll nur „Lommi“ genanntes Lokal im rechtsrheinischen Stadtteil Deutz. Ein Original und Mythos zugleich
Denn wer das Gasthaus Lommersheim betrat, tauchte ein in ein Heiligtum der Unverfälschtheit – die letzte Bastion gegen jeglichen neumodischen Firlefanz. Eine Haltung die bereits vor der Tür begann. Trotz einer abbruchreif aussehenden Fassade, die jede Renovierung verhöhnte, standen die Menschen stets in langen Warteschlangen bis weit auf die Straße. Sie warteten geduldig auf den Einlass in ein Reich, das jede Etikette vergaß. Selbst die Mächtigsten mussten sich der Demut des Anstehens beugen – die Legende besagt, dass sogar der damalige US-Präsident Bill Clinton bei seinem Köln – Besuch wegen Überfüllung abgewiesen wurde, und sich “Lommi” schlichtweg weigerte, Platz für das Oberhaupt und seine Entourage zu schaffen. Hier herrschte eben nur das Gesetz der Gemütlichkeit.
Auch die Atmosphäre drinnen war unvergleichlich und machte das Lokal zu einem magischen Ort. Die Wände mit den speckigen, verranzten und seit Jahrzehnten nicht gewechselten Tapeten atmeten Geschichte und das man auch schon mal auf Holzkisten Platz nehmen mußte, gehörte einfach zum Charme des Etablissements. Unbestrittener und unvergesslicher Mittelpunkt dieses Heiligtums aber war der Wirt selbst. Obwohl alles andere als herzlich, stets wortkarg und mürrisch mit rauer Art seinen Dienst verrichtend. Hier suchte und fand man keine aufgesetzte Freundlichkeit, sondern die Gewissheit, in einem echten unveränderten Stück Köln gelandet zu sein.
Kulinarisch herrschte im Lommersheim das Prinzip der brillanten Reduktion. Die unangefochtene Ikone war das legendäre Kotelett. Kein Gericht für Feingeister, sondern ein rustikales Statement: perfekt gebraten, saftig, mit einer zünftigen Kruste und vorallem von majestätischer Größe. Serviert ohne Schnörkel – meist mit Bratkartoffeln oder Brot – schmeckte es nach Tradition und echtem Handwerk. Nach der Schließung durch Hans Lommerzheim Ende 2004 erwarb die Brauerei Päffgen das von vielen einfach als ihr “Wohnzimmer” bezeichnete Lokal, renovierte es originalgetreu und eröffnete es 2008 mit neuem Pächter, ganz im alten Stil und Sinne seines Gründers.
Nun liegt es auch an dem Churchill-Sohn, die unnachahmliche Seele seines Namensgebers auf die Rennbahnen zu tragen. In der stallinternen Hierarchie der dreijährigen Hengste, hat sich aktuell eine aus Liberty Racing’s Kairos, Denis Cengiz’ Asker und eben LOMMI bestehene Spitzen – Troika heraus kristallisiert. Und Letzterer hat über den Winter laut seinem Betreuer noch einmal spürbar an Substanz gewonnen. Mit einer Vorliebe für weichen Boden und einer Idealdistanz um die 2.000 Meter, bringt er zudem beste Voraussetzungen für die anstehenden klassischen Aufgaben mit.
Das Visier ist dabei fest auf das Bavarian Classic am 1. Mai in München-Riem gerichtet. Die Bedeutung dieser Prüfung wird in diesem Jahr durch die Aufwertung zum Gruppe-II-Rennen zusätzlich unterstrichen und macht sie zu einem der entscheidenden Wegweiser für das 157. IDEE Deutsche Derby. Zwar hält LOMMI auch eine Nennung für das Hamburger Highlight am 5. Juli. Doch ob er die dort geforderten 2.400 Meter im Rennen der Rennen auf dem Horner Moor tatsächlich „stehen“ kann, bleibt abzuwarten – diese Distanz gilt im Stall derzeit noch als fragliches Limit.
Eine hochkarätige Alternative bietet sich hingegen in Frankreich: Der mit 1,5 Millionen Euro dotierte Prix du Jockey Club am 31. Mai in Chantilly. Die 2.100 Meter des französischen Derbys könnten ihm deutlich besser entgegenkommen. Eingeschrieben für diesen Klassiker im Nachbarland ist er jedenfalls schon mal.
Doch unabhängig von der endgültigen Route steht fest: Er ist ein hochtalentiertes Pferd, das – Gesundheit vorausgesetzt – in dieser Saison für Schlagzeilen sorgen wird. Den ersten Meilenstein soll er bereits am 26. April im Dr. Busch-Memorial (Gruppe III) über 1.700 Meter setzen. Die Reise führt ihn dabei zurück an den Ort seines ersten großen Triumphs: den Krefelder Stadtwald. Genau dort, wo sein Stern Mitte November mit dem Sieg im Herzog von Ratibor-Rennen aufging und er auch seine Vorliebe für weichen Boden unterstrich, soll nun der Grundstein für die klassische Saison gelegt werden. Hoffentlich heißt es da: Nomen est Omen.
LOMMI auf dem Prüfstand:
Aktuelles Standing:
Einer der führenden Dreijährigen Deutschlands; Gruppe-Sieger und bewährte Formen gegen internationale Konkurrenz.
Distanz-Frage:
Als Sohn von Churchill bringt er viel Speed mit und wird als 2.000 Meter – Pferd mit einer Vorliebe für weiches Geläuf gehandelt. Die im Derby verlangten 2.400 Meter Meter in Hamburg wäre die ultimative Prüfung – sein Stehvermögen muss er auf diesem Niveau jedoch erst noch unter Beweis stellen.
Wett-Aspekt:
Nach seinem souveränen Sieg im „Ratibor“ wird er im Derby-Langzeitmarkt trotzdem mit Quoten um 15,0:1 weit vorne gehandelt. Somit ein Pferd für die engere Auswahl.
Kult-Faktor:
10 von 10 Punkte. Sollte Lommi in Hamburg-Horn als Erster die Linie überqueren, dürfte wohl nicht nur in Köln – Deutz das Kölsch in Strömen fließen.
Foto: Urheberrecht: CC-BY-SA 4.0
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:2019-11-15-Lommerzheim-7697.jpg
Foto Lommi in Aktion: Marc Rühl
Datenquellen: Historische Details zu „Lommerzheim“ basierend auf Kölner Stadtchroniken, KölnerLeben-Magazin und Köln – Lotse

