Rennbahnstr. 100, 50737 Köln Weidenpesch
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RENNBAHN DES LEBENS VERLASSEN

31. 03. 2026

„Am Wochenende erreichte uns die traurige Nachricht, dass Anton Kurth, vielen besser bekannt als ‚Tapeten-Toni‘, im Alter von 84 Jahren verstorben ist.

Der Nebel hing noch tief über dem Weidenpescher Park, als die ersten Hufe auf den Sand der Trainingsbahn trafen. Es war ein Geräusch, das Anton Kurth sein Leben lang begleitet hatte – ein Rhythmus, so stetig wie sein eigener Herzschlag. Man nannte ihn „Tapeten-Toni“, ein Name, der in den 80er Jahren wie Donnerhall durch die Wettbüros der Domstadt hallte, wenn die Einsätze in schwindelerregende Höhen stiegen und die Nerven anderer längst blank lagen und einer verschreibungspflichtiden Dosis Valium bedurften.

Toni aber saß an seinem Stammtisch im Eigelstein-Viertel, das Sakko perfekt sitzend, den Espresso in der Hand. Er war ein Mann der leisen Töne in einem lauten Sport. Wenn ein sicher geglaubter Sieg am Pfosten verloren ging und ein kleines Vermögen auf dem Rasen innerhalb von Sekunden zerbröselte, zuckte er nicht einmal mit der Wimper. Er rückte sich lediglich die Krawatte zurecht. „Et kütt, wie et kütt“, hätte man in Köln gesagt, aber Toni drückte es mit jener vornehmen Contenance aus, die ihn zur Legende machte.

Eines Tages geschah etwas, das selbst den abgeklärten Wetter rührte: Ein junger Hengst betrat die Bühne, ein Nachkomme von Mehmas, gezüchtet von Simon Springer einem allseits geschätzten Besitzer und Buchmacher. Auf der Ahnentafel stand in fetten Lettern: Tapeten Toni. Es war die sicher größte Ehre, die einem Mann der Rennbahn bereits zu Lebzeiten zuteilwerden konnte. Während der „echte“ Toni am Eigelstein über Gott und die den Rennsport philosophierte, galoppierte sein vierbeiniges Ebenbild durch den englischen Regen, den französischen Glanz und die Schweizer Berge. Jedes Mal, wenn der Name des Pferdes durch die Lautsprecher dröhnte, schwang ein Stück Kölner Originalität mit.

In den letzten Jahren war es stiller geworden um Anton. Die Schritte wurden schwerer, die Besuche im Eiscafé und dem naheliegenden Wettbüro seltener. Denn nach einem Schlaganfall war es um die Gesundheit von Anton Kurth nicht mehr so gut bestellt. Am vergangenen Samstag ist nun der letzte Vorhang gefallen. Mit 84 Jahren hat Tapeten -Toni die Rennbahn des Lebens verlassen. Man sagt, im Himmel gäbe es einen besonderen Platz direkt am Zielpfosten. Dort sitzt er nun, bestellt einen Kaffee, den Wettschein fest in der Hand und wartet seelenruhig auf den nächsten Start – die Fassung wahrend, wie er es immer tat.

Vielleicht ist es ein Trost, dass der Name „Tapeten Toni“ in den Rennprotokollen von Europa weiterlebt. Jedes Mal, wenn das Pferd in den Siegerring einlief, war es auch ein Sieg für den Mann vom Eigelstein. “Tapeten-Toni“ war mehr als nur ein Wetter; er war ein Stück Lebensgefühl des alten Kölns und der Rennbahn-Kultur. Ein echtes Original geht eben nie so ganz, solange man sich seine Geschichten erzählt.

Foto: Marc Rühl / Privat