Es gibt Momente im Rennsport, die man einfach teilen muss, auch wenn sie über den Dunstkreis des Quartiers hinausreichen. Augenblicke, in denen Statistiken und Quoten nebensächlich werden und nur noch die pure Faszination für ein außergewöhnliches Pferd zählt. Das Comeback von Constitution Hill am gestrigen Freitagabend war genau ein solcher Moment. Es war nicht nur ein Sieg in einem Sandbahnrennen; es war die emotionale Rückkehr eines Champions, der die Herzen der Fans im Sturm zurückerobert hat. Die Atmosphäre in Southwell war elektrisierend, da über 3.500 Zuschauer extra angereist waren, nur um diesen einen Start zu erleben.
Constitution Hill triumphierte am gestrigen Freitagabend in Southwell im SBK Road To Cheltenham Novice Stakes über 2.400 Meter. Unter Jockey Oisin Murphy siegte der als 2,5:1 Favorit ins Rennen gegangene Wallach mit einer fast schon arroganten Leichtigkeit von 9,5 Längen Vorsprung auf de als Hauptgegner zählenden Square Necker. In einem 13er-Feld stoppte die Uhr auf dem Tapeta-Geläuf bei 2:35,60 Minuten – eine Zeit, die den Klassenunterschied zwischen ihm und dem chancenlosen Rest der Gegnerschaft unterstrich.
Nach einer über einjährigen Durststrecke, gezeichnet von Verletzungen und drei bitteren Stürzen in seinen letzten vier Hindernisrennen, war die Skepsis groß. Sein letzter Sieg datierte aus dem Januar 2025 und der Wechsel auf die Flachbahn war ein mutiger Versuch von Trainer Nicky Henderson, nach den traumatischen Erlebnissen über Sprünge die verloren gegangene Sicherheit und das Vertrauen des nrunjährigen Wallachs in seine eigenen Fähigkeiten wiederherzustellen.
Das Rennen selbst glich einer Machtdemonstration. Schon als Constitution Hill 400 Meter vor dem Ziel den Turbo zündete, brandete ein Jubelsturm auf, der die Tribünen erzittern ließ. Mit jedem Meter Vorsprung wuchs die Begeisterung der Fans, die ihren Liebling förmlich über die Linie trugen. Bei der Rückkehr in den Absattelring spielten sich hochemotionale Szenen ab: Dicht gedrängt standen die Menschen, um einen Blick auf den Champion zu erhaschen, applaudierten minutenlang und feierten die Rückkehr der Legende – ein sichtlich gerührter Trainer Nicky Henderson und Besitzer Michael Buckley konnten die eine oder Freudenträne kaum unterdrücken.
Nicky Henderson gab sich nach dem Rennen zwar vorsichtig, aber sichtlich erleichtert. Er betonte, dass dieser Sieg „viele Türen öffnet“, auch wenn eine endgültige Entscheidung über den Start im Champion Hurdle in Cheltenham noch nicht unmittelbar gefallen ist. Er gab zu, dass seine Meinung sich „jeden Tag ändert“, doch die „positiven Vibes“ von Southwell könnten nun zum entscheidende Faktorm werden. Und auch Jockey Oisin Murphy war so begeistert vom Speed des Pferdes, dass er bereits von einer weltweiten Flachbahn – Kampagne träumte.
Dieser Sieg war nicht nur Balsam für die Seele des Pferdes und seiner Anhänger. Die Leichtigkeit, mit der er die Aufgabe bewältigte, lässt keinen Zweifel daran, dass Constitution Hill sein “Monster-Gen” doch nicht verloren hat. Das Vertrauen ist zurück und der Weg nach Cheltenham scheint nach dieser Gala wieder frei zu sein. Die Buchmacher führen ihn am heutigen Morgen jedenfalls gleich schon wieder als 7/4 Favoriten für das Champion Hurdle Mitte März in Cheltenham. Auch die Zuschauer die ihn gestern in Southwell gesehen haben, sind sich sicher: Der König ist nicht nur zurück, er ist hungriger denn je auf seinen nächsten großen Thron in den Cotswolds.
Foto: Southwell Racecourse

