Mit Mut durch die Krise

Der Coronavirus hat auch hierzulande den Rennsport fest im Griff. Lars Wilhelm Baumgarten, Mitgesellschafter der Grewe Holschbach Training & Racing GmbH, im Vorsrand von Deutscher Galopp und Präsidiumsmitglied in der Besitzervereinigung für Vollblutzucht und Rennen, hat jetzt zur aktuellen Situation und der existenziellen Bedrohung des Deutschen Galopprennsport auf Facebook ein Statement abgegeben, das wir im kompletten Wortlaut hier wiedergeben.

 

"Der Deutsche Galopprennsport steht durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Infektion vor der größten Herausforderung seit dem 2. Weltkrieg. Schon ohne das Aussetzen der Veranstaltungen bis zum 18. April 2020 war die finanzielle Unterdeckung der Veranstalter und die Belastung durch Abzüge und Kosten für die Besitzer an der Belastungsgrenze angekommen, nun sind die Herausforderungen noch einmal höher. Natürlich ist die Initiative von France Galopp zur Herabsetzung der Bahnbenutzungsgebühren und sonstigen Gebühren zu loben, aber France Galopp hat völlig andere wirtschaftliche Voraussetzungen als Deutscher Galopp und seine Rennvereine.

 

Aber auch in Deutschland geht es um 3000 Arbeitsplätze rund um die Galopprennsport-Industrie. Von Rennvereinen bis Trainings-GmbHs, von Jockeys bis zum Stallpersonal - von der Wettindustrie bis zum Totopersonal - einen längeren Stopp als bis 18. April ist ohne drastische staatliche Hilfe für alle nicht möglich - der Galopprennsport würde für immer kaputt gehen.

 

Daher bin ich nach reiflicher Überlegung und vielen Gesprächen zu folgendem Szenario gekommen:

 

Pferderennen müssen ab dem 19. April 2020 ohne Zuschauer zur Erfüllung der im Tierzuchtgesetz vorgeschriebenen Leistungsprüfungen mit Geisterveranstaltungen stattfinden. Das ist aus meiner Sicht politisch auch absolut vertretbar.

 

Ab der kommende Woche muss die Politik ohnehin anfangen, wieder an das Hochfahren der Wirtschaft nach Ostern zu denken und einen gut und individuell für jede Branche gangbaren Weg finden. Eine Dauervollbremsung der gesamten Wirtschaft länger als fünf Wochen ist nicht gangbar und auch nicht nötig, wenn die jetzigen Maßnahmen wirken, wovon ich überzeugt bin.

 

Jeder, der sich intensiv mit den Ansteckungskurven und den Fallzahlen beschäftigt hat, weiß, dass wir zur Grundimmunisierung der Bevölkerung ohnehin dauerhafte Infektionen brauchen, die nur nicht mehr exponentiell steigen dürfen. Das sollten wir mit der jetzt gemachten Vollbremsung schaffen, doch danach muss das Wirtschaftsleben vorsichtig wieder starten.

 

Pferderennen können mit weniger als 80 Personen abgehalten werden - direkten Kontakt haben davon die wenigsten. Wir brauchen auch die Jockey-Stube nicht. Die Reiter können sich wie in Irland zur Zeit - dort gibt es weiter Rennen ohne Zuschauer - in ihren Autos umziehen und sich dort zwischen den Rennen aufhalten - so wird das größte Infektionsrisiko gebannt. Auch die Rennleitung kann wie in der Bundesliga aus dem Off arbeiten. Wir brauchen Trampler, zum Schließen der Löcher nach jedem Rennen zum Schutz unserer geliebten Vollblüter, eine Startmaschinenmannschaft, eine Person für die Waage, einen Bahnsprecher, einen Humanmediziner, einen Tierarzt, einen Hufschmied und Pferdeführer - that's it. Selbst, wenn ich hier ein paar Menschen vergessen habe, es gibt keine großen Kontaktbereiche des für einen Renntag notwendigen Teams während der Veranstaltung. Alles findet zudem draußen statt.

 

Dann können wir die Rennen in die Wohnzimmer übertragen und die Online-Wettumsätze zur Finanzierung nutzen. Auch die Übertragung ins Ausland könnte uns Erlöse generieren. Sicher müssten wir mit kleineren Geldpreisen anfangen, aber diesen Anfang sollten wir mit aller Macht versuchen, in den nächsten Tagen mit der Politik diskutieren und durchsetzen. Es geht um das Überleben einer Industrie von 3000 Arbeitsplätzen mit einer langen Tradition! Diese Veranstaltungen würde das Infektionsrisiko nicht mehr erhöhen, als andere Industrieproduktionen auch.

 

Wir brauchen Mut für diese Thesen - aber wir sollten sie ab morgen überall voranbringen, ich werde mich dafür beim Präsidium von Deutscher Galopp intensiv einsetzen, zumal Gesundheitsgefahren von diesen Veranstaltungen nicht ausgehen würden.

 

Auf geht's Deutscher Galopp - mit Mut durch die Krise

Mit Herzblut für Vollblut

 

Foto : Marc Rühl